Český Krumlov (Krumau) bei Nacht

 

Aufschwung unter den Habsburgern

Unter den Habsburgern kam es zu künstlerischer und wirtschaftlicher Stagnation, die durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges noch verstärkt wurde. Weiteren bemerkenswerten Aufschwung brachten erst die gefürsteten Grafen von Eggenberg, denen Böhmisch Krummau Kaiser Ferdinand II. 1622 schenkte. Aus dieser bedeutenden barocken Ara kann man die Errichtung des Lustschlösschen Bellarie und des künstlichen Teiches im Schlossgarten sowie der Münze an dem zweiten Burghof erwähnen. Die Eggenberger starben 1719 aus und Böhmisch Krummau ging an die Fürsten von Schwarzenberg über, die die Herrschaft bis 1947 inne hatten. Das Wirken dieses Fürstengeschlechtes belegt z.B. das völlig erhaltene barocke Schlosstheater mit der in der Welt einmaligen Kollektion von ursprünglichen Kulissen, Dekorationen, Kostümen, Requisiten und noch heute funktioneller Bühnenmechanik, ferner der eindrucksvolle Maskensaal und die Winterreitschule.

Mit dem Anfang des 19. Jh. begann wieder eine Zeit der ökonomischen und kulturellen Rezession, dank der aber die Stadt in einem außerordentlichen Ausmaße ihr mittelalterliches Antlitz bis heute behielt. Damals haben sie die darstellenden Künstler, Schriftsteller, Musiker, aber auch andere Besucher entdeckt, die bis heute nicht aufhörten sie zu bewundern. Auf alle machte der ausgedehnte Schlosskomplex mit dem historischen Stadtzentrum einen unvergesslichen Eindruck. Ein herber Einschnitt in der jüngeren Stadtgeschichte war die Vertreibung der angestammten deutschen Bevölkerung nach Ende des II. Weltkriegs - der Eiserne Vorhang legte sich auch über Cesky Krumlov / Krummau. Wegen der Randlage innerhalb Tschechiens, der geringen Industrialisierung und der Topographie gab es in der Nachkriegszeit keine Protzbauten oder hässliche Funktionsgebäude in der Innenstadt. Der Charme des Moldau-Städtchens lag wie hinter einer Dornenhecke und ist nach der Wende wieder zum vollen Leben erwacht.

Eine von den ausdrucksvollsten künstlerischen Persönlichkeiten, die dem Zauber dieser Stadt erlag, war der moderne österreichische Maler der Jahrhundertwende Egon Schiele. Während seines hiesigen Aufenthaltes schuf er den bekannten Bilderzyklus “Die tote Stadt“. Im Jahre 1992 wurde das historische Stadtzentrum, zusammen mit dem Schlosskomplex, in das UNESCO-Verzeichnis des Kultur- und Naturerbes der Welt eingetragen.