Hluboká nad Vltavou (Frauenberg)

 

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An der Stelle des heutigen Schlosses stand seit der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts eine frühgotische Burg, die Ende des 15. Jahrhunderts von Wilhelm von Pernstein wesentlich erweitert wurde. Im Jahre 1562 verkaufte König Ferdinand I. Hluboká den Herren von Hradec in erblichen Besitz, die die Burg zu einem Renaissanceschloß umbauten. Ein Jahrhundert später kaufte die Herrschaft von Hluboká Johann Adolf I. von Schwarzenberg, Begründer des Familienzweiges, der in Südböhmen fast dreihundert Jahre lang wirkte. Auf Wunsch des Fürsten Adam Franz, Adolfs Enkel, wurde das Schloß zu Beginn des 18. Jahrhunderts von P. I. Bayer und seinem Nachfolger E. Martinelli in die Barockgestalt umgebaut. Im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts beschlossen Fürst Johann Adolf II. und seine Gattin Eleonore, Hluboká nochmals umzubauen, diesmal in eine romantische Gestalt. Das Projekt wurde vom Architekten Franz Beer ausgearbeitet, der auch die 1840 begonnenen Bauarbeiten zwanzig Jahre lang leitete. Die alten Gebäude wurden abgetragen und an ihrer Stelle ein malerisches Schloß im Stil der Tudorgotik neu errichtet. Seine anspruchsvolle äußere und innere Ausschmückung beendete der Nachfolger Beers, Ferdinand Deworetzky, im Jahre 1871. Hluboká gehört ohne Zweifel zu den schönsten Schlössern der Tschechischen Republik. Wände und Decken der Repräsentationsräume im ersten Stock sind mit edlen Hölzern in ungewöhnlich reicher Schnitzerei verkleidet. Das Schlafzimmer und der Ankleideraum von Fürstin Eleonore, das Hamilton-Kabinett und den Lesesaal schmücken Bilder von europäischen Meistern des 16. bis 18. Jahrhunderts, schöne Lüster, Spätrenaissancevitragen und Fayence aus Delft. Die wertvollsten Möbelstücke sind im Morgensalon untergebracht und durch bemalte chinesische Vasen aus dem 18. Jahrhundert ergänzt. Die Portraits an den Wänden Morgensalons, des kleinen Speisesaals, des Raucher- und des Empfangssalons stellen die bedeutendsten Vertreter der Familie von Schwarzenberg dar. An den Wänden des großen Speisesaals befindet sich ein wertvolles Ensemble von in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts in Brüssel hergestellten Tapisserien. Der größte Saal ist die Bibliothek mit einer Kassettendecke, die von der Stammburg Schwarzenberg nach Hluboká gebracht wurde. Ein allgemein ausgezeichnetes Niveau hat die Waffenkammer von Hluboká. Die neugotische Kapelle wird vom Altar mit einer großen spätgotischen Arche dominiert. In der ehemaligen Schloßreithalle hat heute die Südböhmische Mikoláš-Aleš-Galerie mit einer ausgezeichneten Exposition gotischer Gemälde und Statuen, holländischer und flämischer Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts und wechselnden Ausstellungen moderner Kunst im Hauptsaal ihren Sitz.